Im Rahmen des Rottenbucher Festsommers durften die Organisatoren auch den wohl berühmtesten und wohl auch umstrittensten Organisten der Orgelgeschichte begrüßen.
Über die Freywis Orgel und deren Herausforderungen wurde bereits im März dieses Jahres berichtet, so dass wir dieses Thema nicht weiter zu erörtern brauchen.
Nun zu dem „Orgel Rebell“ Cameron Carpenter:
Geboren 1981 in Pennsylvania, USA, wurde seine Begabung schnell erkannt. Mit 11 Jahren hatte er seinen ersten umjubelten Auftritt mit J.S. Bachs „Wohltemperiertes Klavier“. An der University of North Carolina School of Arts studierte er dann Komposition und Orgel.
Er transkribierte auch über 100 Werke für Orgel in der Zeit als er an der Juilliard School New York studierte.
Er war Schüler der namhaftesten Lehrer, die damals tonangebend waren, wobei er zu der Zeit schon im Begriff war, mit den traditionellen Erwartungen zu brechen, die man an die Orgelmusik zu stellen gewohnt war. Er war Kritiker der “verstaubten Kirchenmusik“ wie er es selbst bezeichnete.
Carpenter wollte das Orgelspiel in die „Welt holen“! Dazu wurde die „ International Touring Organ“ -eine digitale Orgel- entwickelt, woran er auch selbst beteiligt war. Jetzt konnte man das Orgelspiel auch in Konzertsäle holen und sogar im Freien hören.
Er mischt Bach mit Michael Jackson, Mahler mit Jazz, spielt auch Improvisationen, elektronische Musik, Jazz-inspirierte Werke, bricht gezielt mit klassischen Konventionen und spricht damit auch ein anderes Publikum an. „The organ is not a museum piece“, so seine Aussage.
Kritiker -vielleicht auch Neider - sind der Meinung, dass Carpenter zu viel Gewicht auf die Show legt; das sei mal dahingestellt.
Jedenalls heimste er alle möglichen Preise ein u.a. den Leonard Bernstein Award des Schleswig-Holstein Musik Festivals.
Diesen einmaligen Künstler für den Rottenbucher Festsommer zu gewinnen, war eine wirklich herausragende Leistung des Fördervereins „Freunde der Pfarrkirche Mariae Geburt“ unter dem Vorstand Albrecht Bögle. Dementsprechend groß war auch das Interesse der Besucher.
Konzertbeginn war 17:00 Uhr. Bereits um 16:30 Uhr war die Kirche bis auf den letzten Platz gefüllt.
Es wurden noch zusätzlich Bänke und Stühle herbeigeschafft und Pfarrer Josef Fegg gab sogar das Chorgestühl frei. Dieser meinte auch ironisch, dass er fast neidisch sein könnte, da es ihm noch nie gelungen sei so viele Menschen in der Kirche zu versammeln. Laut Angaben des Fördervereins waren es ca. 550 Besucher.
Zum Auftakt gab es ein Interview des musikalischen Leiters und Kurator Florian Löffler mit dem Künstler.
Dessen Lieblingskomponist sei Johann Sebastian Bach, dessen Werke er immer wieder gerne spielen würde.
Auf die Frage was man tun könnte, um dem Orgelspiel Nachwuchs zu verschaffen, antwortete
Carpenter, es gäbe kein Patentrezept dafür, es sei eine Art Berufung.
Dann begann das Konzert.
Das Programm:
Johann Sebastian Bach Präludium und Fuge in h-Moll
Georg Friedrich Händel Orgelkonzert Nr. 4 in F-Dur
Allegro
Andante
Adagio
Allegro
Cameron Carpenter 3 Improvisationen über gegebene Themen
Johann Sebastian Bach Präludium und Fuge in Es-Dur
Das virtuose Spiel von Carpenter, was durch die Beschaffenheit der Freywis-Orgel mitunter auch eine körperliche Herausforderung war, konnte mittels eines Beamers auf einer Leinwand mitverfolgt werden, was natürlich den Charakter des Konzertes wesentlich mehr Emotionen aufkommen lies.
Wie nicht anders zu erwarten war erhielt der Künstler am Ende seines Vortrages tosenden Applaus, der fast nicht enden wollte und er spielte bereitwillig noch eine Zugabe.
Der Förderverein hatte vor der Kirche Tische aufgestellt und servierte Getränke, so dass die Besucher sich noch lange über diesen denkwürdigen Abend unterhalten konnten.
Zu erwähnen ist noch dass der Eintritt zum Konzert frei war. Es wurde nur um Spenden gebeten.
Artikel von Heinz Seifried, für den Kreisboten
