Pfarrverband Rottenbuch

Fastenzeit 2021

Nun ist es wieder soweit. Die Fastenzeit ist mit dem Aschermittwoch angebrochen. „Sieben Wochen ohne“, so lautet oft die Überschrift. Sieben Wochen ohne? Das kann nicht ernst gemeint sein.  Auf was sollen wir denn noch verzichten? Kann man nicht wenigstens im Jahr 2021 auf die Fastenzeit verzichten? Das wäre doch ein starkes Zeichen und ich bin mir sicher, alle würden mitmachen.  

Vermutlich ist dies nicht möglich. Dann habe ich eine andere Idee: Wir drehen dein Spieß einfach einmal um. Warum sieben Wochen ohne? – wenn es auch sieben Wochen mit geht?! Im Evangelium heißt es doch: „Kehrt um, und glaubt an das Evangelium“ (Mk 1, 15b) Also kehren wir um und machen es einmal anders in dieser Fastenzeit. Opfer haben wir genug gebracht. Warum also gerade jetzt auf Alkohol, Zigaretten, Fernseher, Computer, Handy usw. verzichten? Es gibt Wichtigeres. 

Der Erzbischof von München und Freising, Reinhard Kardinal Marx macht in seinem Fastenhirtenbrief drei Vorschläge, die wir uns in dieser Fastenzeit zu Herzen nehmen sollten: 

Erstens die Toten nicht vergessen. Gerade im vergangenen Jahr war besonders das Sterben von Angehörigen eine schmerzliche Erfahrung. Ein Abschiednehmen war nicht möglich und die Begräbnisse konnten oft nur im kleinen Rahmen stattfinden. Erinnern wir uns in ihre Namen, beten wir noch einmal für sie. 

Zweitens die Familien stützen. Gerade jetzt wir sichtbar, wie wichtig die Familie ist – aber auch wie zerbrechlich diese sein kann. Es hat nichts mit Jammern zu tun, wenn Eltern erkennen, dass sie an ihre Grenzen stoßen. Homeschooling, Homeoffice – Homechaos. Das andere Extrem ist absolute Isolation und Vereinsamung. „Vielleicht lernen wir auch neu, was es heißt, dass die Kirche von Anfang an den Titel trägt „Familie Gottes“, so der Erzbischof. Jede Familie braucht ihre Kraftquellen. Unterstützen wir die Familien darin wieder Kraft zu schöpfen. Das geht auch in Zeiten von Corona. 

Und drittens die Feier des Sonntagsgottesdienstes wieder neu entdecken. Natürlich ist eine Mitfeier mühsam geworden: Anmeldung, begrenzte Plätze, Ansteckungsrisiko. Und doch können wir gerade in dieser Fastenzeit 2021 entdecken, dass es ein großes Geschenk ist, am Sonntag zusammen zu kommen, um den Tod und die Auferstehung Jesu Christi und das Fest der Hoffnung und des neuen, unzerstörbaren Lebens miteinander zu feiern. 

Also machen wir uns gemeinsam auf den Weg. Einer geht mit, der von sich selbst sagt: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“ (Joh 14,6). 

 

Martin Mylius, Diakon